Monitoring der unteridischen Basaltgruben von Mayen und Niedermendig

Wissenschaftliche Untersuchungen haben in Mendig bereits eine gewisse Tradition, ein Teil der Niedermendiger Mühlsteinhöhlen (unter der ehemaligen Firma Michels) wurde seit den 50er Jahren von Prof. Dr. Hans Engländer und Dr. Anna Gisela Johnen aus Köln untersucht (Engländer & Johnen 1960, 1971). Ihre und eine nachfolgende Untersuchung (Meyer 1971) lieferten uns wichtige Daten zum Einzugsgebiet der Quartiere.

Seit 11 Jahren haben Mitarbeiter des Arbeitskreises Fledermausschutz Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Andreas Kiefer intensive Untersuchungen im Mayener Grubenfeld und den Niedermendiger Mühlsteinhöhlen durchgeführt. Bei den ca. 50 Netzfängen und ca. 30 Winterkontrollen waren auch Kollegen aus dem In- und Ausland beteiligt.

 

kleines Japannetz im Inneren der Stollen aufgestellt

Erste Ergebnisse der Netzfanguntersuchungen wurden 1994 (Kiefer et al.) in einer Fledermausfachzeitschrift veröffentlicht. Ergebnisse der Winteruntersuchungen wurden dann von Kiefer et al. (1996) publiziert.

 

Im Spätsommer (während des sogenannten “swarming”) kann man in Mayen mit zwei 3 x 3m großen Japannetzen bis zu 600 Fledermäuse in drei Stunden fangen. Nach unseren Populationsschätzungen können hier an einem Abend mehrere tausend Individuen schwärmen. Dabei sind jeden Abend unterschiedliche Gruppen in den Systemen anzutreffen. Möglicherweise kommen während der Schwärmphase im August bis Mitte Oktober bis zu 50.000 Fledermäuse aus einem Umkreis von bis zu 300km zusammen. Beringungsdaten aus den 50er und 60er Jahren aus Niedermendig und aktuelle Untersuchungen an der Segeberger Kalkberghöhle sowie dem Marburger Schloß sprechen für diese Vermutung. Im Winter findet man z.B. in drei Stollensystemen in Mayen über 3500 Fledermäuse. Neben einem Massenwinterquartier von Pipistrellus pipistrellus (vermutlich zwischen 5.000 und 10.000, von denen wir dann ca. 1200 Individuen sehen und zählen) finden sich mindestens 1500 Individuen anderer Fledermausarten zum Winterschlaf hier ein. Die Dunkelziffer nicht auffindbarer Fledermäuse ist durch den Spaltenreichtum und die zahlreichen Versteckmöglichkeiten in den Stollen sehr groß. Die Größe und Unzugänglichkeit des Grubensystems in Niedermendig machte bisher systematische Untersuchungen unmöglich. Auch hier konnten wir weit über 1200 winterschlafende Fledermäuse (ohne Pipistrellus pipistrellus) nachweisen.

Von ca. 16.000 in den Jahren 1988-1995 im Winter gefundenen Fledermäusen im nördlichen Rheinland-Pfalz entfallen allein über 4000 auf die beiden Systeme. In den letzten drei Wintern konnten wir durch die intensiveren Untersuchungen allein die Hälfte aller im Winter gefundener Fledermäuse in Rheinland-Pfalz in Mayen und Niedermendig finden! Besonders die große Zahl gefundener Myotis nattereri ist herausragend für den südwestdeutschen Bereich. 

Die unterirdischen Mühlsteingruben in Niedermendig und das Mayener Grubenfeld stellen in Ihrer Gesamtheit eines der bedeutendsten Fledermausquartiere Mitteleuropas dar. Betrachtet man beide Quartiere gemeinsam, so sind in der Bundesrepublik Deutschland keine weiteren Fledermausquartiere mit einer nur annähernden Artenvielfalt und Individuenzahl beschrieben. In Mitteleuropa sind nur sehr wenige vergleichbare Fledermausquartiere bekannt. Die Bedeutung ist in der engen Verbindung (nur 7 km Luftlinie) beider Quartiere zu sehen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit besteht in der überragenden Nutzung beider Quartiere durch die Fledermäuse ein enger Zusammenhang.

 

Engländer, H. & Johnen, A.G. (1960): Untersuchungen an rheinischen Fledermauspopulationen. - Bonner zoologische Beiträge 11: 204-209. Bonn.

Engländer, H. & Johnen, A.G. (1971): Untersuchungen in einem rheinischen Fledermauswinterquartier. - Decheniana-Beihefte 18: 99-108. Bonn.

Kiefer, A., Schreiber, C. & Veith, M. (1994): Netzfänge in einem unterirdischen Fledermausquartier in der Eifel (BRD, Rheinland-Pfalz) - Phänologie, Populationsschätzung, Verhalten. - Nyctalus (N.F.) 5 (3/4): 302-318. Berlin.

Kiefer, A., Schreiber, C. & Veith, M. (1996): Felsüberwinternde Fledermäuse (Mammalia, Chiroptera) im Regierungsbezirk Koblenz (BRD, Rheinland-Pfalz) – Vergleich zweier Kartierungsperioden. In: Kiefer, A. & Veith, M. (Hrsg.). Beiträge zum Fledermausschutz in Rheinland-Pfalz. Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Beiheft 21:5-32. Landau.

Meyer, E. (1971): Ökologische Beobachtungen in einem Fledermauswinterquartier der Eifel. - Decheniana-Beihefte 18: 115-120. Bonn.


Letzte Änderung: 7.10.2001

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